Donnerstag, 7. August 2008

Corporate Indernetz

Bei Indien denkt man ja inzwischen oft an die ominösen Computer-Inder. Computer haben sie hier und zwar jede Menge. Leider ist das dazu äußerst wichtige Internet hier ein bisschen schwieriger verfügbar.
Für zuhause gibts DSL oder wo das nicht geht Internetper Kabelanschluss. Bei uns kommt ein Coaxialkabel durch ein Loch neben dem Fenster und verschwindet dann in den Bäumen. Immerhin kommt Netz raus. Wir haben sogar eine feste IP-Adresse.

Die ganze Firma teilt sich den gleichen lahmen 256 kbit/s Kabelanschluss um ins Internet zu kommen. Oder zumindest kommt maximal so viel bei mir an. D.h. wenn ich 20 bis 30 kByte/s Download bekomme bin ich glücklich. Das wäre ja noch zu verschmerzen, da ich keine besonders großen Dateien hin- und herschieben muss. Aber das Netz ist auch für meinen Arbeitsgebrauch zu lahm. Wenn ich an einer Übersetzung arbeit muss ich natürlich immer mal wieder Worte nachschlagen. Die Firma weigert sich Wörterbücher zu kaufen, weil ja ein Netzanschluss vorhanden ist. Wir sind also dazu verdammti regelmäßig minutenlang darauf zu warten, dass dict.leo.org Ergebnisse ausspuckt. Die Hälfte der Leute benutzt Skype auch für die Arbeit. Die Gespräche reissen oft ab oder sind voller Störungen, weil die Bandbreite nicht ausreicht.

An Langsamkeit kann ich mich gut gewöhnen, habe ich doch Modemzeiten noch gut in Erinnerung. Viel anstrengender ist die Internetzensur durch die Firma. Sie setzen eine Software namens SonicWall ein um uns den Zugang zu vermeintlich ablenkenden und schädlichen Inhalten (Webmail, Flashspiele, Nachrichtenseiten, Wetter, Pornos, Blogs, Foren, Softwareseiten, Hacking) zu verbieten. Das große Problem, dass durch dieses Misstrauen und Kontrollieren entsteht ist, dass die Leute das Netz nicht mal für arbeitsrelevante Dinge richtig nutzen können. Neben mir sitzt ein Flash/Flex Programmierer, der oft Codebeispiele und Referenzen nachschlägt. Aber ein Drittel der Seiten, die er aufrufen will ist gesperrt. Wie soll der Mann denn vernünftig arbeiten? So geht es sogar mir als Übersetzer. Gestern wollte ich ein lateinisches Wort nachschlagen, aber zwei von drei online Lateinwörterbüchern waren blockiert. Es gibt keinen im Büro, der durch den Internetfilter nicht schon mal an seiner Arbeit behindert wurde.
Die Netzzensur zu umgehen war also meine erste Herausforderung am Arbeitsplatz. Man kann kompliziert und langwierig ein Passwort beantragen mit dem man einiger der Filter freischalten kann, aber nicht alle. Selbst ist der Mann und so habe ich mir meinen Weg in die Freieheit erkämpft.
Sehr begrenzt, aber sofort kann man Google zur Umgehung einsetzen. Man sucht einfach nach Seiten in Google und klickt dann auf im Cache anstatt auf den Link. Und schon landet man auf einer Kopie der Seite, die auf Googles Servern liegt. Für Seiten mit interaktivem Inhalt und Bildern ist das nicht so toll, aber ist schon oft hilfreich.
Glücklicherweise ist auf unseren Rechnern Mozilla Firefox als Browser installiert. Der erlaubt das installieren unzähliger Plug-Ins, ohne dass man Administratorrechte braucht.
Zwei Add-ons für Firefox habe ich zur Zeit im Einsatz: Tor-Proxy.NET und PhProxy - InBasic. Beide haben unterschiedliche Stärken und Schwächen und beide erlauben auch nicht die Nutzung aller Seiten. So funktioniert z.B. Posts auf blogger.com schreiben mit keinem von beiden.
PhProxy benutzt offene Webbasierte Proxies über die man sich dann mit der Seite, die man aufruft verbindet. Der Proxy reicht dabei die Daten einfach weiter. Allerdings sind die meisten Proxies, die PhProxy mitbringt auch gesperrt. D.h. ich bin alle paar Tage damit beschäftigt einen funktionierenden auszusuchen. Ein weiterer Nachteil ist, dass man immer neuen Betreibern der Proxies vertrauen muss keine bösen Absichten zu haben. Also meine Kreditkartendaten würde ich in einer solche Verbindung nicht anvertrauen.
Tor-Proxy.NET funktioniert technisch ähnlich, hab aber eine robustere Infrastruktur hinter sich und kann nur sehr schwer blockiert werden. Die Verbindung wird nicht nur über einen Proxy, sondern über ein verschlüsseltes weltweites Netzwerk hergestellt. Es funktioniert immer, ist aber deutlich langsamer und einige Seiten gehen nicht. Dafür ist die Sicherheit etwas höher. Hier muss man nämlich nur einem vertrauen.

Dienstag, 5. August 2008

Dress Code Policy in the Workplace

Michel: Heisst das, du läufst ab jetzt immer im frisch gebügelten Hemd durch die Gegend?
Ja, genau das bedeutet es. Es gibt nämlich einen einigermaßen strengen Dresscode auf der Arbeit. An diesen muss ich mich auch halten. Was bedeutet hat, dass ich am Abend nach meinem ersten Arbeitstag erstmal ein paar ordentliche Hosen und Hemden kaufen gegangen bin. Bei den Hosen habe ich noch eine ganz gute Auswahl getroffen, bei den Hemden bereue ich jetzt etwas die mit mir rumzuschleppen. Aber ohne geht's nicht. So abgerissen wie wir in Deutschland rumlaufen, das irritiert die Inder öfter mal. Denn die achten meistens auf ihr Aussehen. Das Wort Schampoo kommt schliesslich aus dem Hindi. Und ich habe morgens schon Bettler auf der Straße eingeseift mit Waschschüssel gesehen.
Damit nicht jeder rumläuft wie er will, gibt es eine Dresscode Policy auf Arbeit. Es gibt zwei Kategorien: formal und casual, wobei nur am letzten Arbeitstag der Woche casual gilt.

Business Formals:
For MEN: Formal Shirts with full length Trousers and formal Shoes.
For WOMEN: Saree, Salwar kameez, Suit, full length formal Skirt or Trousers with
formal Shirts.
Zum Glück hatte mir Susann als einen ihrer wenigen Tipps noch gesagt, ich solle schicke Schuhe mitbringen. Das habe ich dann auch getan. Allerdings war ich ein bisschen enttäuscht, dass nicht an jeder Ecke ein Schuhputzer sitzt, wo man sich die staubigen Treter polieren lassen kann. Ich habe bis jetzt noch keinen einzigen gesehen. Dafür aber jede Menge der blauen Bügelwagen, wo man für 2,5 Rs. sein Hemd oder Hose gebügelt bekommt.

Business Casuals:
For MEN: Jeans, Full length trousers Collar T Shirts or Shirts with Sleeves.
For WOMEN: Jeans, Full length trousers, T Shirt or Shirts and Long Skirts.
So sagen es die Regeln zu mindest. Aber bis jetzt hat noch keiner der beiden anderen deutschen Praktikanten wegen kurzärmligen Hemden, Sandalen oder Jeans eine Ermahnun bekommen. Obwohl doch recht drastische Konsequenzen drohen:
  • For the first non compliance on the policy, the employee will be issued a non
  • conformance ticket (warning notice).
  • For the second non compliance on the policy, the employee will be marked LOP for the day.
  • For the third non compliance on the policy his services from the company will be terminated without issue of relieving letter.
Dreimal muss also erwischt werden und man fliegt. Ist aber jetzt nicht mehr schlimm. Mein letzter Arbeitstag ist Montag und werde ich nur mein Praktikumszeugnis schreiben.

Futter bei die Tempelfische

Direkt neben einem großen Tempel gar nicht weit entfernt von uns, befindet sich ein großes Becken. Es sieht zwar so aus, als ob die Stufen am Rand zum Baden gedacht wären, aber das tut hier keiner. Sicher hat der Zaun mit Stacheldraht damit zu tun. Es gibt aber in diesem trüben Gewässer jede Menge Karpfen.

Die Tempelbesucher machen sich einen Spass daraus sie mit Puffreisbällchen zu füttern. Die Fische kloppen sich wie bekloppt um die Chance daran nagen zu dürfen. Teilweise springen sie dabei bis auf die Treppenstufen.

Mordende Hippiebanden

Hippies haben in Indien ein schlechtes Image. Das liegt vor allem daran, dass sie sich in Goa seit den 60ern nicht besonders kulturell angepasst haben. Die Nacktbader an den Stränden locken Spanner aus ganz Indien an. Auch sonst hat der Hippie nur schlechtes nach Indien gebracht. Freie Liebe ist wie ein Schock für Menschen, die arrangierte Ehen normal finden und ihren Ehepartner noch nie nackt gesehen haben. Drogen- und Junkietourismus haben dazu geführt dass hier sehr strenge Gesetze hersschen. Für ein bisschen Gras, hier nennt man es Ganja, wandert man mal eben 10 Jahre in den Bau. Da verkneift man sich doch den Joint glatt für ein paar Monate. Kurz gesagt, der Hippie verkörpert alles, was schlechtes aus dem Westen kam.

Gar keine Freunde haben sich auch eine Gruppe Deutsche gemacht, deren Geschichte ich euch erzählen will.
Eine deutsche Bekannte hier vor Ort traf auf ein paar traurig dreinblickende Deutsche in einem Café in Chennai. Nachdem sie ihr erzählt hatten, wie sie mit dem VW-Bus eine lange Tour von Deutschland bis hierher unternommen hatten, aber trotzdem keine gute Laune aufkommen wollte, hakte sie nach. Durch ihre unnachahmlich sympathische Art erfuhr sie schliesslich, dass der Hippiebus mitten in der Nacht einen Fussgänger überfahren hatte. Sie haben angehalten um ihm zu helfen, aber es war zu spät. Umringt von einer Traube Einheimischer, Polizei und ein paar Weissen verstarb das Opfer noch vor Ort. Für die Deutschen ging es jetzt natürlich erst richtig los. Und zwar ab auf die Polizeiwache.
Doch sie hatten einigermaßen Glück und kamen auf Kaution raus bis zu ihrem Gerichtsverfahren, durften aber Chennai nicht verlassen. Und so saßen sie dann da, in einem Café und warteten die Zeit ab. Der konsultierte Anwalt hatte ihnen mitgeteilt, ihre einzige Chance sei sich schuldig zu bekennen und ein Jahr Gefängnis abzusitzen. Für eine andere Lösung mit bakhshi (Schmiergeld) war es schon zu spät.

Montag, 4. August 2008

Billig, billig, lecker, lecker!

Dritte Welt bedeutet oft Armut vieler und Reichtum weniger. Ob Indien jetzt dritte Welt oder Schwellenland ist oder unterschiedliche Regionen in verschiedene Kategorien passen, darüber kann man natürlich streiten. Die Unterschiede sind hier aber schon extrem. Worüber man aber nicht streiten kann sind die günstigen Preise.

Ein super leckerer Kaffe im Stehen an der Eckbar kostet 4 Rs. also 0,06 €.
Ein Hemd bügeln im blauen Bügelwagen am Strassenrand macht 2,5 Rs. also 0,04 €.
Eine SMS innerhalb Indiens verschicken kostet 0,5 Rs. das kann man in € gar nicht mehr ausdrücken: 0,008 €.
Mein Mitbewohner hat echte Chucks für ca. 8 € in einem Schlussverkauf ergattern können.

Natürlich ist nicht alles so billig. iPhones kosten z.B. dasselbe wie bei uns. Aber man kann hier schon echt sehr ordentlich von wenig Geld leben.